Rückblick - eHealth & Society 2017

eHealth & Society 2017 in München: Intensive Diskussion mit 150 Teilnehmenden

Trends und Konzepte zu beleuchten sowie Forschungsergebnisse und -erfahrungen auszutauschen – so lautete die Zielsetzung des Symposiums eHealth & Society Mitte Februar 2017 in München. Hinter der Veranstaltung, die 150 Teilnehmende ins FOM Hochschulzentrum in der Arnulfstraße lockte, stand das ifgs Institut für Gesundheit & Soziales – vertreten durch Prof. Dr. habil. Manfred Cassens, Prof. Dr. Thomas Städter und Prof. Dr. Klemens Waldhör. Letzterer war auch maßgeblich an der Vorgängerveranstaltung beteiligt: der wearables/at/work-Konferenz 2016.

Die erste Keynote des Tages hielt Andreas Ellmaier vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. Sein Thema: „Digitalisierung und Technik in der Pflege“. Dabei ging er durchaus kritisch auf den – in seinen Augen teilweise übertriebenen – Datenschutz in Deutschland ein. Er dürfe notwendige Maßnahmen in Pflege oder Notfallsituationen nicht behindern, schließlich stehe das Wohl der Patientinnen und Patienten im Fokus. „Der Datenschutz hat noch kein Leben gerettet“, betonte er. „Was wir brauchen ist Datensouveränität.“ Als nächstes trat Joli Haller ans Rednerpult. Der Bürgermeister von Bodenmais zeigte, dass eine Gemeinde sowohl Touristen als auch Bevölkerung in präventive Gesundheitsmaßnahmen einbinden kann.

Anschließend starteten die parallel laufenden Tracks. Jeder von ihnen hatte ein Oberthema: Public Health, Digitale Medizin sowie Sektorenübergreifende Gesundheitsstrategie. Den ersten Track eröffnete Prof. Dr. David Matusiewicz. Der ifgs-Direktor beleuchtete das betriebliche Gesundheitsmanagement und stellte eine entsprechende Studie vor. Mit dem Volksleiden Rückenschmerz befasste sich Prof. Dr. Siegfried Jedamzik von der Bayerischen TelemedAllianz. Er berichte u.a. aus dem Forschungsprojekt Rise-uP, in dessen Rahmen eine eHealth-Versorgungslösung entsteht. Auf einem weiteren Forschungsprojekt lag der Fokus des Medienpsychologen Dr. Julian Wangler von der Universitätsklinik Mainz: Er stellte Ergebnisse einer Umfrage vor, bei der Männer und Frauen Stellung zur Nutzung von Gesundheitsportalen nahmen. Eines der Ergebnisse: Männer nutzen die Selbstanalyse von „Dr. Google et al.“ u.a., um einen Arztbesuch zu vermeiden. Einblicke in ein drittes Forschungsprojekt gewährte Prof. Dr. Jürgen Zerth von der Wilhelm Löhe-Hochschule Fürth: Er schilderte den Einsatz von Monitoring-Sensoren in der Altenpflege.

Wearables & Co. wurden im Track Digitale Medizin diskutiert. So stellte Jochen Bauer von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg unterschiedliche Technologien vor, mit deren Hilfe Personen in einem Haus geortet werden können. Wie per Telemedizin Augenuntersuchungen z. B. in Seniorenheimen durchgeführt werden können, zeigte Sebastian Hilke. Der Experte der Bayerischen TelemedAllianz betonte, dass man durch solche Verfahren der fachärztlichen Unterversorgung in ländlichen Gebieten entgegenwirken könne. Robert Baldauf von der Universität Bielefeld erläuterte, wie sich mittels Clouddiensten Aktivitäten wie Laufen und Gehen, aber auch Stürze analysieren und bestimmen lassen, während Eric Clausing von AV-Test auf verschiedene Fitness-Tracker und deren datenschutztechnischen Schwachstellen einging. Seine These: Das Thema Datenschutz werde von vielen Anbietern teilweise noch stark vernachlässigt, sie seien eher an den Daten der Nutzerinnen und Nutzer als an deren Sicherheit interessiert.

Im Zentrum des dritten Tracks standen Themen rund um die Sektorenübergreifende Gesundheitsstrategie – darunter e-basierte Versorgungsformen, e-basiertes Krankenhausmanagement und e-basierte Präventionskonzepte. So stellte Dagmar Piotr Tomanek von der TH Ingolstadt das ideale Krankenhaus unter besonderer Berücksichtigung digitaler Transformation vor. Madita Herpich von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Augsburg zeigte, wie sich die Lebensqualität von Seniorinnen und Senioren durch den Einsatz von Informationstechnologie –genauer: eines Gamification-Ansatzes – steigern lässt. Darüber hinaus erklärte Jochen Bauer, wie Werkzeuge und Methoden der künstlichen Intelligenz (KI) zur Therapiebegleitung von Wohlstandskrankheiten genutzt werden können. Watson (IBM), Alpha (Wolfram) und das Semantic Web bewertete er beispielsweise kritisch mit Blick auf ihre Eignung bezüglich Ernährungsempfehlungssystem und Rezeptbewertungen, Aktivitätsempfehlungssystem und nutzerspezifische Veranstaltungskataloge sowie Haushaltsbestandssystem und Objekterkennung.

Im Wechsel mit den Tracks fanden weitere Keynotes statt: Dr. med. Dipl.-Inform. Klaus Juffernbruch von GoToMarket Group and Partners nahm in seinem Vortrag Stellung zur Einführung und Realisierung von eHealth-Anwendungen in Deutschland, das in dieser Hinsicht noch ein Entwicklungsland sei. Verschiedene Aspekte eines Projektberichtes über Qualitätsmanagement in tirolerischen Gesundheitsregionen standen im Zentrum einer weiteren Keynote, die sich Prof. Dr. habil. Manfred Cassens (ifgs-Direktor) und Andreas Hoffmann (Scheer GmbH) teilten: Im Rahmen eines gemeinsamen Entwicklungsprozesses geht es aktuell darum, Prozesse des Konzeptes „Gesundheitsregionen plus“ exemplarisch zu digitalisieren. Maren Porzelt und Vitalij Vigdortchik (beide von der FOM Hochschule) stellten in diesem Zusammenhang eine Cloud-basierte Lösung für kommunale Strukturen vor. Last but not least präsentierte Gerald Götz vom Städtischen Klinikum München das Technologiemanagement der Städt. Klinikum München GmbH. Dabei werde auf verschiedene Konzepte gesetzt – zum Beispiel die Vernetzbarmachung noch nicht vernetzungsfähiger Medizinprodukte.

Im Nachmittagsbereich wurden darüber hinaus verschiedene wissenschaftliche Poster vorgestellt. Das Gros stammte von Studierendes des FOM-Masterstudiengangs Public Health. Zwei ihrer Poster erhielten sehr positive Rückmeldungen und werden nun auch am Tag der Bayerischen Telemedizin vorgestellt. Darüber hinaus waren auch zwei Erstsemester des Bachelor-Studiengangs Gesundheits- und Sozialmanagement sowie Studierende der FOM Nürnberg mit Beiträgen vertreten.

Zum Abschluss des Symposiums kamen Prof. Dr. Siegfried Jedamzik, Andreas Ellmaier, Gerald Götz, Joli Haller, Andreas Hoffmann, Claudia Küng (Health Care Bayern) und Sophie Schwab (DAK Gesundheit) zu einer Podiumsdiskussion zusammen. Die Fragestellung lautete „Quo vadis, Gesundheitsregionen?“. Tenor der Debattierenden: Sowohl medizinische als auch Pflegetätigkeiten seien sowohl aktuell als auch zukünftig High-Touch-Berufe. Zudem müsse die digitale Führung auch im Management von Gesundheitsregionen einen festen Platz haben.

Das nächste eHealth & Society Symposium ist übrigens für den 21. Februar 2018 geplant. Thema: Digitalisierung der Versorgungskette.